Psychiater, Psychologe, Psychotherapeut – die wichtigsten Unterschiede

Psychiater, Psychologe, Psychotherapeut – die wichtigsten Unterschiede

Klingt alles ähnlich und ist doch nicht dasselbe: zwischen einem Psychiater und einem Psychologen gibt es große Unterschiede. Und dann gibt’s auch noch Psychotherapeuten und psychologische Berater. Klären wir das mal.

Eure Fragen:

Warum gibt es so viele verschiedene Bezeichnungen?

Was sind die wichtigsten Unterschiede? Und an wen wendet man sich wofür?

Hast du mir vielleicht ein paar Tipps, worauf man bei seiner Wahl achten sollte?

Meine Antworten


Wichtig! Sonst gibt’s Ärger.
Psychiater, Psychologe und Psychotherapeut sind in Deutschland rechtlich geschützte Berufsbezeichnungen. Nur wer den entsprechenden Werdegang mit Prüfung bestanden hat, darf sich so nennen. Sonst gibt’s Ärger.

Vorteil einer geschützten Berufsbezeichnung: sie gibt dir realtiv klare Infos, welchen Werdegang dein Berater hinter sich hat. Damit kannst du vorab schon mal einschätzen, mit welchem Fachwissen er dir wahrscheinlich weiterhelfen kann, und welche Fähigkeiten er hoffentlich hat. (Dazu habe ich dir am Ende ein paar Tipps.)

Nachteil an der Begriffsflut ist, die Infos muss man als Ratsuchender erst einmal haben! Ansonsten ist die Verwirrung groß und die Gefahr besteht, von einer Adresse zur anderen geschickt zu werden oder sogar frustriert aufzugeben.

Darum: vielen Dank für eure Fragen dazu! Denn, wenn man bescheid weiß, profitiert man von den Vorteilen.


Zum Klugscheißen

In all diesen Berufen kommt „Psyche“ vor. Psyche leitet sich aus dem Altgriechischen ab und bedeutet Seele, Hauch, Atem. Aha.

Psychiater, Psychologen & Co. sind also Experten für seelische Gesundheit. Aber ihr Werdegang und ihre Tätigkeitsschwerpunkte unterscheiden sich sehr deutlich.

1. Unterschied zwischen Psychiater und Psychologe

Psychiater…

haben Medizin studiert und anschließend ihren Facharzt in Psychiatrie und Psychotherapie gemacht. Während des Medizinstudiums haben sie sich mit der Funktionsweise des menschlichen Körpers und Krankheitsbildern beschäftigt, und gelernt diese u.a. mit Medikamenten zu behandeln. Nach bestandener Facharztprüfung dürfen sie ärztliche Psychotherapie betreiben und sind berechtigt Medikamente, sogenannte Psychopharmaka, zu verschreiben. Außerdem dürfen sie Patienten körperlich untersuchen und die Einweisung in eine Klinik veranlassen.

Psychologen…

sind keine Ärzte und verschreiben keine Medikamente. Psychologen haben Psychologie studiert, die Wissenschaft vom Verhalten, Denken und Fühlen. Während des mindestens fünfjährigen Studiums haben sie sich intensiv mit psychologischer Diagnostik beschäftigt, sowie mit menschlichem Lernen und Verhalten, Denkmustern und Emotionen. Nach ihrem Abschluss (Diplom oder Master) ist das Tätigkeitsfeld eines Psychologen noch sehr weit. Du findest sie u.a. in der Forschung, in Personalabteilungen von Unternehmen, in Beratungsstellen im Gesundheitswesen… Manchmal triffst du auch auf freiberufliche Psychologen, wie mich. 🙂

Therapieren, d.h. Erkrankungen behandeln, darf ein Psychologe nicht. Wenn Psychologen beratend tätig sind, dann präventiv. Daher übernehmen gesetztliche Krankenkassen die Kosten nicht.

Hä? Aber es gibt doch Psychologen, die Psychotherapie machen, sagst du? Ah, jetzt kommt der Begriff Psychotherapeut ins Spiel.

2. Was ist ein Psychologischer Psychotherapeut?

Will ein Psychologe mit Patienten therapeutisch arbeiten, muss er nach seinem Studium noch eine drei- bis fünfjährige Zusatzausbildung machen. Nach erfolgreichem Abschluss hat er dann eine staatliche Zulassung (Approbation) und ist Psychologischer Psychotherapeut.

Quizfrage

Warum diese Dopplung in dem Begriff Psychologischer Psychotherapeut?

Antwort: Weil es, wie du oben erfahren hast, auch einen Ärztlichen Psychotherapeut gibt — den Psychiater.

Psychologischer vs. Ärztlicher Psychotherapeut

Im Gegensatz zum Ärztlichen Psychotherapeut, ist ein Psychologischer Psychotherapeut für Erkrankungen zuständig, die durch psychotherapeutische Gespräche und Übungen behandelt werden können, z.B. Depressionen, Ängste, Essstörungen, Zwänge oder Süchte.

Kurz gesagt

Ein Psychiater hat Medizin studiert und eine Ausbildung zum Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie bestanden.
Ein Psychologe hat Psychologie studiert. Als Psychotherapeut darf er erst nach Abschluss einer mehrjährigen Ausbildung arbeiten.
Ein Psychiater darf zur Behandlung auch Medikamente verschreiben, ein psychologischer Psychotherapeut führt therapeutische Gespräche.

Falls du bis hierher gescrollt hast ohne zu lesen:

ein nettes, zusammenfassendes Video für dich. 😉

Ich wünschte, damit wäre alles geklärt, doch…

3. Es gibt auch noch Heilpraktiker für Psychotherapie.

Auch Heilpraktiker bieten Psychotherapie an. Allerdings wird die dazu erforderliche Weiterbildung nicht durch das Psychotherapeutengesetz geregelt. Darum dürfen sie nicht die Berufsbezeichnung „Psychotherapeut“ führen, sondern sind dazu verpflichtet, entweder die Begriffe Heilpraktiker für Psychotherapie oder Heilpraktiker beschränkt auf das Gebiet der Psychotherapie zu verwenden.

Im Gegensatz zu Ärzten und Psychologen brauchen Heilpraktiker kein fachspezifisches Universitätsstudium. Sie haben normalerweise eine private Heilpraktikerschule besucht oder langjährige Fachausbildungen absolviert. Auch wenn eine Ausbildung nicht notwendig ist, müssen sie bestimmte Voraussetzungen erfüllen (§ 1 und 2 des HeilprG) und sich einer amtsärztlichen Prüfung unterziehen.

Im Überblick:

Psychiater, Psychologe, Psychologischer Psychotherapeut und Heilpraktiker.

4. Die psychologische Beratung

Bis hier hatten wir es mit gesetzlich geregelten und geschützten Berufsbezeichnungen zu tun. „Psychologische Beratung“ ist kein geschützter Begriff. Daher ist Psychologischer Berater eigentlich keine Berufsbezeichnung, sondern eine Tätigkeitsbeschreibung.

Wenn jemand psychologische Beratung anbietet, dann weißt du WAS er oder sie tut: beraten, in psychischen/seelischen Angelegenheiten. Das wird oft auch Lebensberatung genannt.

Über das WIE weißt du damit noch sehr wenig: wahrscheinlich findet ein Gespräch statt. Doch auf welcher Grundlage, mit welcher Haltung, welchen „Werkzeugen“, das bleibt zunächst offen.

Wie bekommst du eine genauere Vorstellung vom Wie? Da gibt es nur eine Lösung: frech, frisch und frei fragen! Trau dich, das ist deine persönliche Freiheit als Kunde.

2 Schritte zur leichten Expertenwahl:

1. Selbst-Check

Beantworte dir z.B. folgende Fragen:

  • Was ist dein Problem und welche Fragen hast du?
  • Was erhoffst du dir von einer Behandlung oder Beratung?
  • Wie wichtig sind dir anerkannte Qualifikationen?
  • Wie lange bist du bereit auf einen Termin zu warten?
  • Bist du ggf. bereit die Kosten selbst zu bezahlen? Wenn ja, wie viel?

2. Experten-Check mit Verstand und Gefühl:

  • Wie lautet die Berufbezeichnung des Anbieters?
  • Welche Qualifikation und Erfahrungen bringt er/sie mit?
  • Passt beides zu deinem Thema und deinen Zielen?
  • Fühlst du dich gut aufgehoben?
  • Hast du Lust mit dieser Person zusammen zu arbeiten?

So, meine Lieben, ich glaube, das genügt erstmal. Falls Fragen offen geblieben sind, neue Fragen entstanden sind, oder du beispielsweise mehr zur Expertenwahl wissen willst: lass mir gerne einen Kommentar da.

Ich freu mich!

Stand: 04/2020